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Grammatik & Sprachpraxis15. Oktober 20266 Min. LesezeitGeprüfte Fachredaktion

Die 20 wichtigsten deutschen Redewendungen und Redensarten im Alltag

Eine kompakte, aber tiefgehende Einführung in die häufigsten deutschen Redewendungen – Bedeutung, Anwendung und typische Stolperfallen im Berufs- und Alltagsleben.


Einführung & sprachlicher Kontext

Im Alltag begegnen wir ständig Redewendungen, die mehr als die Summe ihrer Worte sind. Sie prägen die Gesprächskultur, signalisieren Zugehörigkeit und ermöglichen präzise Ausdrucksformen, die ein direktes Vokabular oft nicht erreichen kann. Besonders im Berufsleben zeigen sie Sprachgewandtheit und kulturelle Kompetenz – Eigenschaften, die bei Verhandlungen, Präsentationen oder im Kundenservice entscheidend sind.

Die goldenen Regeln im Detail

  1. Verstehen Sie die figurative Bedeutung – Redewendungen funktionieren metaphorisch. Eine wörtliche Übersetzung führt schnell zu Missverständnissen. Beispiel: „Jemandem die Daumen drücken“ bedeutet Unterstützung, nicht das physische Drücken von Daumen.

  2. Achten Sie auf Register und Stil – Viele Redensarten gehören zum umgangssprachlichen Bereich. In formellen Schreiben oder Präsentationen sollten sie sparsam eingesetzt werden, um nicht unprofessionell zu wirken.

  3. Kontext ist entscheidend – Die gleiche Redewendung kann je nach Situation unterschiedliche Nuancen haben. „Den Nagel auf den Kopf treffen“ lobt Präzision, während es in einem kritischen Ton auch als Vorwurf verstanden werden kann.

  4. Vermeiden Sie wörtliche Übersetzungen aus anderen Sprachen – Direkte Übersetzungen führen oft zu Unsinn oder sogar zu Peinlichkeiten. Lernen Sie die Redewendung als feste Einheit.

  5. Üben Sie mit aktiver Anwendung – Nur durch bewusstes Einsetzen im Gespräch oder Schriftverkehr verinnerlicht man die Redewendung und entwickelt ein natürliches Sprachgefühl.

Übersichtstabelle

Kategorie / ElementBedeutung & RegelAuthentischer Beispielsatz
Da steppt der BärEs herrscht gute Stimmung, Partyatmosphäre„Auf der Feier steppt der Bär.“
Jemandem die Daumen drückenJemanden unterstützen, Glück wünschen„Ich drücke dir die Daumen für deine Prüfung.“
Den Nagel auf den Kopf treffenGenau richtig sagen oder handeln„Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.“
Auf dem Schlauch stehenNicht verstehen, verwirrt sein„Ich stehe völlig auf dem Schlauch.“
Etwas hinter sich bringenEine Aufgabe erledigen, abschließen„Ich muss zuerst meine Hausaufgaben hinter mich bringen.“
Das Eis brechenDie erste Hemmung überwinden, Gespräch beginnen„Um das Eis zu brechen, erzählte er einen Witz.“
Jemandem ein X für ein U vormachenJemanden täuschen, etwas vorgegaukelt geben„Er hat mir ein X für ein U vorgemacht.“
Auf die lange Bank schiebenEtwas vertagen, aufschieben„Bitte schieb die Entscheidung nicht auf die lange Bank.“
Den Bock zum Gärtner machenJemanden mit ungeeigneten Qualifikationen beauftragen„Den neuen Praktikanten mit der Buchhaltung zu beauftragen, wäre den Bock zum Gärtner machen.“
Wie ein Fisch im Wasser fühlenSich wohl und sicher fühlen„In ihrem neuen Job fühlt sie sich wie ein Fisch im Wasser.“
Aus dem Schneider seinNicht mehr in Gefahr sein, die schwierigste Phase überstanden haben„Nach der Operation ist er endlich aus dem Schneider.“
Jemanden auf den Zahn fühlenJemanden genau befragen, nachhaken„Der Journalist wollte dem Politiker auf den Zahn fühlen.“
Den Löffel abgebenUmgangssprachlich für sterben„Er hat leider den Löffel abgegeben.“
Ein Auge zudrückenNachsicht zeigen, etwas durchgehen lassen„Der Lehrer hat ihm ein Auge zugedrückt wegen der verspäteten Hausaufgabe.“
Etwas auf dem Kieker habenEtwas im Blick behalten, im Auge haben„Ich habe den Termin immer auf dem Kieker.“
Das Kind beim Namen nennenDirekt und klar sprechen, nicht um den heißen Brei reden„Lass uns das Problem beim Namen nennen.“
Jemanden den Wind aus den Segeln nehmenJemanden entmutigen, seine Pläne durchkreuzen„Die Kritik hat ihm den Wind aus den Segeln genommen.“
Auf Wolke sieben schwebenExtrem glücklich sein„Nach dem Heiratsantrag schwebt sie auf Wolke sieben.“
Etwas aus dem Ärmel schüttelnEtwas leicht und spontan hervorbringen„Er zaubert immer eine Lösung aus dem Ärmel.“
Den Spieß umdrehenDie Situation umkehren, die Rollen vertauschen„Nach dem Erfolg hat er den Spieß umgekehrt und jetzt berät er andere.“

Typische Fehler & Praxistipps

💡 Tipp für die Praxis: Achten Sie darauf, Redewendungen nicht wörtlich zu übersetzen. Ein häufiger Fehler ist die direkte Übersetzung aus dem Englischen, z. B. „to break the ice“ → „das Eis brechen“ ist korrekt, aber „to spill the beans“ → „die Bohnen verschütten“ wäre falsch; die passende Redewendung lautet „das Geheimnis lüften".

💡 Tipp für die Praxis: Verwenden Sie Redewendungen bewusst und sparsam im schriftlichen Berufskontext. In E-Mails an Vorgesetzte oder Kunden wirken sie sonst schnell unprofessionell.

Falsch vs. Richtig:

  • Falsch: „Ich drücke dir die Daumen, damit du die Prüfung bestehst.“ (Richtig wäre: „Ich drücke dir die Daumen für deine Prüfung.“ – das Ziel wird bereits implizit.)

  • Richtig: „Ich drücke dir die Daumen für deine Prüfung."

  • Falsch: „Wir schieben die Entscheidung auf die lange Bank, weil wir keine Zeit haben.“ (Richtig: „Wir schieben die Entscheidung auf die lange Bank.“ – der Grund ist oft überflüssig.)

  • Richtig: „Wir schieben die Entscheidung auf die lange Bank."

  • Falsch: „Er hat den Löffel abgegeben, weil er müde war.“ (Richtig: „Er hat den Löffel abgegeben.“ – die Redewendung bedeutet Tod, nicht Müdigkeit.)

  • Richtig: „Er hat den Löffel abgegeben."

Echte Praxisbeispiele & Dialoge

E-Mail an einen Kollegen:

Betreff: Rückfrage zum Projektplan

Hallo Frau Müller,

ich hoffe, Sie haben den Projektplan bereits erhalten. Damit wir das Eis brechen, möchte ich kurz nachhaken: Haben Sie bereits Rückmeldungen vom Designteam? Ich drücke Ihnen die Daumen, dass die Rückmeldung positiv ausfällt.

Viele Grüße

Thomas Schmidt

Telefonat mit einem Kunden:

Kundenservice: „Guten Tag, hier spricht Anna vom Support. Wie kann ich Ihnen helfen?"

Kunde: „Ich habe das Gefühl, dass ich völlig auf dem Schlauch stehe mit der neuen Software."

Kundenservice: „Kein Problem, lassen Sie uns das gemeinsam angehen. Ich nehme Ihnen den Wind aus den Segeln nicht, sondern unterstütze Sie dabei, den Nagel auf den Kopf zu treffen."

Kundendialog im Geschäft:

Verkäufer: „Dieses Modell liegt mir immer auf dem Kieker – es ist unser Bestseller."

Kunde: „Dann nehmen Sie es bitte. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass es Ihre Erwartungen erfüllt."

Verkäufer: „Vielen Dank! Damit brechen wir das Eis für eine langfristige Zusammenarbeit."

Praxis-Tipp

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wichtige Antworten und didaktische Merksätze zu diesem Thema

Wie erkenne ich, ob eine Redewendung formell oder informell ist?+

Achten Sie auf den Kontext und das Register: Formelle Redewendungen finden sich in Geschäftsbriefen, wissenschaftlichen Texten oder offiziellen Ansprachen (z. B. „Den Nagel auf den Kopf treffen“ kann sowohl neutral als auch leicht formell verwendet werden), während umgangssprachliche Ausdrücke wie „Auf dem Schlauch stehen“ oder „Das Eis brechen“ eher im Gespräch unter Kollegen oder Freunden auftreten. Ein guter Merksatz: Wenn Sie die Redewendung in einer E-Mail an einen Vorgesetzten verwenden würden, ist sie wahrscheinlich formell genug; sonst lieber umformulieren.

Welche Redewendung sollte ich vermeiden, wenn ich mich entschuldigen möchte?+

Vermeiden Sie Ausdrücke, die eine andere Bedeutung haben oder unhöflich wirken können. Beispielsweise bedeutet „Den Löffel abgeben“ umgangssprachlich sterben – völlig ungeeignet für eine Entschuldigung. Stattdessen nutzen Sie klare, höfliche Formulierungen wie „Es tut mir leid“ oder „Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeit“. Wenn Sie eine Redewendung nutzen möchten, passt „Ich bitte um Nachsicht“ oder „Ich hoffe, Sie können mir verzeihen“ besser.

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